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Pro Killerspiele
Nachdem bereits der Erfurter Amoklauf vor rund dreieinhalb Jahren zu einer Verschärfung des Jugenschutzgesetzes mit teilweise grotesken Folgen geführt hatte, schreien nach den Ereignissen von Emsdetten die üblichen Verdächtigen nach einer erneuten Verschärfung der Gesetze, nach einer Abschaffung der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) und einem vollständigen Produktions- und Vertriebsverbot von sogenannten Killerspielen in Deutschland.
Halt! Nun muß ich einmal eine Lanze für Killerspiele brechen!
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Killerspiele bzw. Spiele mit kriegerischer Handlung gehören schon längst zu unserer Kultur. Es gibt sie praktisch, seitdem es Videospiele gibt. Beispiele? In Space Invaders wurden erbarmungslos Aliens abgeschossen. Pacman war ein einziges „fressen und gefressen werden.“ Ziel bei Teacher Buster war es, Lehrer(!) zu töten. Bei den Mario Brothers (oder The Great Giana Sisters) wurden auf dem Weg zum Ziel tausende von Lebewesen sinnlos umgebracht, ebenso bei Wonderboy In Monsterland oder Golden Axe. In Moonstone (das habe ich gerne gespielt!) floß das Blut schon vor 15 Jahren literweise. Selbst bei SimCity hat es doch immer am meisten Spaß gemacht, auf die sorgfältig aufgebaute Metropole Monster und Naturkatastrophen loszulassen …
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Ohne diese Spiele wäre die Welt vieler Computerspieler ein wenig grauer, trauriger und lebloser.
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Killerspiele wie beispielsweise Counter-Strike sind in erster Linie immer noch Geschicklichkeitsspiele und verlangen dem Spieler deutlich mehr ab als z.B. ein einfaches Tetris, fördern (natürlich in Grenzen) Teamgeist, taktisches Handeln und die angesprochene Geschicklichkeit.
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Mit Computerspielen kann man Frust abbauen, ob nun bei einer Patience oder bei einem Action-Shooter.
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Wer Killerspiele verbieten möchte, müßte konsequenterweise ebenso eine Reihe von Filmen verbieten. Nennen wir exemplarisch Stirb Langsam, Friedhof der Kuscheltiere, Predator, Léon, der Profi (einer meiner wenigen Lieblingsfilme) oder alles von Quentin Tarantino …
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Ein Verbot von Killerspielen würde Arbeitsplätze vernichten.
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Mit welcher Begründung will mir irgendjemand ein Spiel wie Unreal Tournament verbieten? Weil es geschmacklos ist? Bitte, Deutschland sucht den Superstar ist auch geschmacklos.
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Wer in Counter-Strike einen Gegenspieler über den Haufen schießt, tötet dabei niemanden.
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Durch das wilde Herumdrücken auf einer Computermaus oder Tastatur erlernt niemand den Umgang mit Waffen. Am Computer kann man keine Morde üben.
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Wer sich Killerspiele besorgen kann, gelangt deshalb noch lange nicht ohne weiteres an reale Waffen.
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Daß die Politik wieder einmal einzig und allein auf Computerspielen herumreitet, zeugt wie so oft von einer gewissen Hilf- und Konzeptlosigkeit. (Sinnvolles Handeln ist halt leichter gesagt als getan.) Die letzte Änderung des Jugendschutzgesetzes hat ja bereits prima gefruchtet?!
Siehe dazu auch: Video und Studie zum Amoklauf in Emsdetten auf Schoggo-TV.
Nebenbemerkung: Eigentlich bin ich kein Gamer, sondern nutze meinen Rechner lieber zum Arbeiten und Musik hören. Aber dieses einseitige Herumgehacke auf den sogenannten Killerspielen geht mir wirklich auf den Sack.
Trackbacks
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1.
Wilhelm [Schoggo-TV] (aus: Mannheim):
Oh, ich muß wohl öfter bei Dir reinschauen …
Wenn es mit den Trackbacks nicht klappen sollte (hattest Du hier einen gesetzt?), dann bitte einfach einen manuellen Trackback, sprich Kommentar mit Direktlink zu Deinem jeweiligen Beitrag bei mir hinterlassen.
2.
André Gewert (aus: Lübeck):
Habe ich gemacht… Wenn Du wenigstens Trackback-Links anzeigen würdest, wäre es vermutlich einfacher, echte Trackbacks zu senden
3.
Dieter Petereit:
Na ja. Killerspiele als Teil unserer Kultur? Das ist schon ein bisschen weit hergeholt. Die Bild-Zeitung ist auch nicht Teil unserer Kultur, obwohl irgendwie omnipräsent. Der Begriff Kultur hat für mich etwas Schützenswertes.
Auch die Nennung von x Spielen, die teils uralt sind, aber eben schon damals Killerspiele waren, wertet doch das Genre nicht auf!
Es ist auch nicht der Punkt, ob sich jemand leichter Waffen besorgen kann, weil er Killerspiele spielt.
Der Punkt ist ein viel einfacherer. Killerspiele sind amoralisch. Töten ist nicht lustig. Auch nicht virtuell. Dafür kann es keine Begründung geben.
Das Problem wird meiner Meinung nach – im Vergleich zu alten Spielen – durch die ständig steigende Detailgenauigkeit der Taten noch verschärft. Das gilt übrigens auch für Filme. CSI beispielsweise. Zooooom auf das blutende Loch im Kopf. Paar Maden schon drin. Prima. Oder für das Machwerk Kill Bill vom von Dir genannten Tarantino.
Für all diesen Mist gibt es keine Rechtfertigung, außer dass wir ja im ach so freien Westen leben, wo sich niemand nix verbieten lassen darf; nicht mal seine Lämmer in der Badewanne selbst zu schächten (um nochmal ein anderes Thema mit ins Boot zu holen…).
4.
André Gewert (aus: Lübeck):
Ich denke, zu einer Kultur gehören auch Dinge, die man nicht eindeutig als „Gut“ oder „Schlecht“ einordnen kann. Die Bild-Zeitung fällt auch darunter. So schlimm ich sie auch finde, behaupte ich trotzdem, daß unsere Kultur ohne BILD! ein Stückchen ärmer wäre. Aber das ist ein anderes Thema.
Und es gibt sogar Dinge, in denen ich mich belehren lasse, insofern diskutiere ich gerne.)
Daß es früher schon Shooter gab, wertet das Genre in der Tat nicht auf; das Problem der – ich nenne sie einmal „moralisch fragwürdigen“ – Spiele ist halt kein neues. Wenn die Darstellung (nicht nur von Gewalt), die sich in den letzten Jahren zweifelsohne drastisch geändert hat, gewisse Grenzen überschreitet, ist aber auch heute schon in Deutschland ein Verbot von Werken (nicht nur von Videospielen) möglich. Zudem dürfen nicht durch die USK geprüfte Videospiele nicht an Jugendliche unter 18 Jahren abgegeben werden. Den Punkt mit den Waffen hatte ich aufgeführt, weil ich meine, daß in Bezug auf die „Killerspiele“ bereits eine vernünftige Rechtslage existiert, ich aber nicht verstehen kann, daß die Amokläufer von Erfurt und Emsdetten legal an Schußwaffen gekommen sind. *Mit Waffen tötet man, nicht mit Computerspielen.*
Wenn ich eine Runde UT zocke (in der deutschen Fassung gibt es weder Blut noch umherfliegende Leichenteile), geht es mir nicht darum, Menschen zu töten. Das Schießen auf andere Figuren bedeutet für mich nichts anderes als das Zerstören von Aliens in Space Invaders. Die Motivation ist doch, schneller, geschickter, besser als der Gegner zu sein, nicht ihn *töten* zu wollen… Ich glaube nicht, daß ein solches Spiel „unmoralischer“ ist, als mit Spielzeugwaffen oder Wasserpistolen zu spielen. Haben wir das als Kinder nicht alle gern getan? Nicht, um jemanden zu töten, sondern um uns auszutoben?
Zum Schächten äußere ich mich lieber nicht, sonst komme ich heute nicht mehr ins Bett…
(Übrigens: Trotzdem – oder gerade weil – wir nicht einer Meinung sind, ist ein solcher Kommentar äußerst angenehm und willkommen. Du kennst ja auch andere Formen der „Diskussion“
5.
Dieter Petereit:
Der große Unterschied zwischen Typen wie dem Emsdettener, dem Erfurter und Dir besteht in der Intelligenzleistung, Reales und Virtuelles zu trennen und dabei Spiel als Spiel und Ernst als Ernst zu erkennen.
Natürlich würdest Du als intelligenter Mensch nicht auf die Idee kommen, Deine Aggressionen real so auszuleben, wie es im Spiel möglich ist. Dazu kommt noch, dass Du wahrscheinlich das Spiel eher als etwas taktisch Anspruchsvolles betrachtest und nicht bloß primär Aggressionen rauslassen willst.
Leider gibt es aber auch die Anderen, die simplen Gemüter, die hartverdrahteten Schalter, denen jegliche Flexibilität, auch und insbesondere im intellektuellen Bereich völlig abgeht. Und da man ein Gesetz in Deutschland nicht an IQs aufhängen kann, müssen Spiele, die Einzelne zum Entarten bringen können, eben komplett verboten werden.
Ich finde das aber auch nicht weiter schlimm oder schade oder was. Das Recht, jemandem virtuell möglichst mit detaillierter Gewaltdarstellung die Birne weg zu pusten, sehe ich nicht als schützenswert an.
6.
André Gewert (aus: Lübeck):
Das erste fasse ich einfach mal als Kompliment auf
Den Rest lasse ich unkommentiert so stehen, ich denke, unsere Standpunkte sind klar.
7.
SoftwareWarrior (aus: Hamburg):
Hi,
zunächst einmal denke ich, dass Ballerspiele / Killerspiele *nicht* zu unserer Kultur gehören, jedoch eine Faszination auf junge Männer ausüben.
Früher (im Wilhelminischen Deutschland) war die hiesige Kultur sehr viel militaristischer und die Tötung im Krieg genoss eine gesellschaftiche Anerkennung. Später (im Dritten Reich) wurden die Kriegsspiele wohl von der politischen Führung zur Beeinflussung der Kinder/Jugendlichen ausgenutzt.
Nach dem zweiten Weltkrieg sehe ich da einen gesellschaftlichen Bruch. Anfangs sogar einen Widerstand gegen die Aufstellung der Bundeswehr.
In den 70er Jahren fingen die jungen Eltern an, Kriegsspielzeug zu verachten.
Trotzdem sind „Cowboy und Indianer“ u.ä. auch in meiner Generation noch beliebte Spiele gewesen.
Mit den Computerspielen (ich gehöre zur Generation C-64) wurden diese bekannten Spielmuster auf den Computer übertragen.
Der grafische Detaillierungsgrad nimmt zu. Nun gibt es wohl einige Menschen, die zwischen diesen virtuellen Welten und der Realität nicht mehr so richtig unterscheiden können.
Ich selber spiele gerne UnrealTournament, insbesondere auch wegen der „unrealen“ Darstellung. Daneben auch Action Adventures wie die „Jedi Knight“ Serie. Ich sehe in den JK-Spielen jedoch viel mehr Geschicklichkeit als in den Ego-Shootern.
Das Spielprinzip „Jump and Run“ sehe ich hier in einem Kontrast zum aggressiven Wettstreit.
Alternativen gibt es auch bei den Computerspielen: Der Spiele Designer „Lord British“ hat in Ultima I bis III das Prinzip „töte Monster -> sammle Erfahrung -> töte Superbösewicht“ immer wieder kopiert (wie auch James Bond). Dann hat er in Ultima IV bis VI gesagt, dass dies noch nicht alles sein kann und die charakterliche Weiterentwicklung, das Streben nach „Tugenden“ in den Vordergrund gerückt. Trotzdem wurden natürlich weiterhin Monster gemetzelt, aber das reicht nicht mehr aus.
Ich denke, die Attraktivität der Ballerspiele liegt darin, dass die aggressiven Verhaltensweisen ausprobiert / ausgelebt werden können, ohne dass schwerwiegende Konsequenzen befürchtet werden. Dieses „Wettstreit“ Element ist in uns Menschen drin, jedoch besteht in unseren westlichen Zivilisationen wenig Bedarf darin und kaum Gelegenheit dazu, real Gewalt auszuüben.
Erschreckend finde ich, dass in einigen Zeitungsberichten und auch in einigen Fernsehfilmen (ein weiter reichendes Medium als Computerspiele) Täter aussagen, sie wollten „sehen wie ein Mensch stirbt“, und die Vorstufe dazu, die mutwillige Tierquälerei.
Use the Force!
Software Warrior
8.
Joern (aus: Bamberg):
Sehr guter Beitrag, vor allem diese beiden Punkte scheinen wohl keinen zu interessieren:
#Durch das wilde Herumdrücken auf einer Computermaus oder Tastatur erlernt niemand den Umgang mit Waffen. Am Computer kann man keine Morde üben.
# Wer sich Killerspiele besorgen kann, gelangt deshalb noch lange nicht ohne weiteres an reale Waffen.
Eigentlich müsste man nämlich eher Schützenvereine verbieten. Aber auf die (auch dumme) Idee kommt natürlich keiner, denn das sind ja ganz ganz viele Wählerstimmen…
9.
André Gewert (aus: Lübeck):
@Joern:

Ich glaube, das ist das erste Mal, daß jemand einen meiner Beiträge als „sehr gut“ bezeichnet
Das Waffenthema ist – wie wohl deutlich wird – auch aus meiner Sicht einer der Knackpunkte.
Unabhängig davon ist aber in der Tat die moralische Bewertung solcher Spiele, über die man offensichtlich sehr unterschiedlicher Meinung sein kann. Ich fürchte, darüber kann man endlos diskutieren, aber ich habe kein Problem mit Counter-Strike oder UT…
@SoftwareWarrior:
Killerspiele sind wohl aus unterschiedlichen Gründen für verschiedene Spielertypen attraktiv. Mich spricht ein Spiel weder deshalb an, weil viel Blut fließt, noch weil ich damit irgendwelche Tötungshandlungen „simulieren“ kann… Wenn ich mal spiele, dann auch ganz unterchiedliche Sachen vom Kartenspiel oder Tetrinet über die LucasArts-Klassiker bis zur F1-Simulation oder dem genannten UT. Und ich finde es ebenfalls gut, wenn Spielkonzepte weiterentwickelt und verfeinert werden. Ultima habe ich allerdings nie gespielt
10.
Fabienne und Irina:
Richtig so!
Killerspiele sollen nicht verboten werden!
wIr mussten in der Schule einen Bericht über Killerspiele schrieben, pro oder contra.
Ihr habt sehr geholfen
Grüße
11.
André Gewert (aus: Lübeck):
Bitteschön, wir helfen doch gerne
12.
undercover (aus: is auch egal):
Eure Argumente sind echt der hammer.
ich bin voll eurer meinung!!!
Die Schuld auf die spiele zu schieben, unmöglich!!
Es liegt eher an der erziehung der Eltern!
13.
Kai Zeminske (aus: Chemnitz):
Ich habe dazu auf einer Seite im Netz eine Aussage gefunden, die ich nur teilen kann und hier an dieser Stelle einfach mal einfüge:
„Killerspiele“ sind nicht Ursache von Amokläufen und Gewaltbereitschaft, sondern „alltäglicher Teil der Freizeitkultur mündiger Bürger“. Die Gewaltbereitschaft von jugendlichen Einzeltätern resultiert aus „sozialer Kälte der Ellenbogengesellschaft, Jugendarbeitslosigkeit, Verarmung, überforderten Eltern, von den Medien geschürter Zukunftsangst, fehlender Liebe und Zuneigung“. Die Debatte um „Killerspiele“ dient der Politik dagegen als einfaches Mittel, um „zu polarisieren, Zensur einzuführen und die Öffentlichkeit von den eigentlichen, wichtigen Themen abzulenken“. Das geforderte „Totalverbot“ von Spielen mit Kriegshandlung wird die Spieler aber nur in die Illegalität treiben…"
Das bringt es meiner Meinung nach auf den Punkt. Aber diese selbsternannten Volksvertreter werden so ein schwachsinniges Verbot schon irgendwie durchboxen und damit wieder ein paar Millionen an Steuergeldern (über den gesamten Zeitraum betrachtet) zum Fenster hinaus werfen. Hauptsache wir schicken im gleichen Atemzug unser Soldaten nach Afghanistan und wer weiß wo hin.
Zum besseren Verständnis der Bürger sollte man auch gleich alle Gesetzesbücher abschaffen und stattdessen nur das zu Papier bringen, was erlaubt ist. Ich denke dafür reicht dann bald ein DIN A4-Blatt.
Armes Deutschland…
14.
Sebbii (aus: Karlsruhe):
sehr interessante pro argumente wie ich finde ;)
*daumen*