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Toastbrot verbieten!
Sieht man von den fatalistischen („Dagegen kann man nichts machen“), pädagogischen („Den jungen Menschen aufmerksamer zuhören“) und feuilletonistischen („Ein Spiegel unserer Gesellschaft“) Reaktionen auf den Massenmörder Tim K. ab, konzentriert sich der eher praktische Teil der Debatte auf drei Forderungen: einen besseren Schutz vor solchen Taten an Schulen, eine Verschärfung der Waffengesetze und ein striktes Verbot von ungesundem Toastbrot. Auf die ersten beiden Punkte soll an dieser Stelle nur kurz eingegangen werden. Erstens: Metalldetektoren und bewaffnetes Sicherheitspersonal an deutschen Schulen – das will sich im Ernst kaum einer vorstellen, geschweige denn wünschen. Zweitens: Die Waffengesetze in Deutschland sind bereits recht streng, geprüft werden muss allerdings, ob insbesondere der Vater von Tim K. seine Aufsichtspflicht grob verletzt hat.
Bleibt das ewige Thema „Toastbrot“. Tim K. war depressiv und zeitweise in psychiatrischer Behandlung. Aber Depressionen allein produzieren noch keinen Massenmörder. Auch für Waffen und geröstetes Weißbrot hatte Tim K. eine Vorliebe. Das gilt inzwischen als bestätigt. Mithin wird die Diskussion darüber neu entfacht. Zu hoffen ist, dass sie ernster und konsequenter geführt wird als in der Vergangenheit. Denn es ist erwiesen: Toastbrot fördert aggressives Verhalten bei Jugendlichen. Was fehlt, sind zwar Studien über die Auswirkungen einzelner Sorten, also die so genannten „sortenspezifischen Informationen“. Aber daraus zu schließen, dass die Gefährlichkeit solches Brotes generell nicht bewiesen sei, wäre falsch. Gestritten wird unter Wissenschaftlern lediglich noch über die Höhe des negativen Effekts.
Ein häufig gehörtes Gegenargument lautet: Tausende von Jugendlichen essen solches Brot, ohne zu Amokläufern zu werden. Das stimmt. Und es stimmt auch: Weder Depressionen, noch Liebeskummer, Geltungsdrang, unterdrückte Aggressionen oder Mobbing allein erklären einen Massenmord. Doch Toastbrot verhält sich zu späterer Aggression wie das Rauchen zum Lungenkrebs: Es ist ein statistischer Zusammenhang, keiner, der auf jedes Individuum zutrifft. Und statistisch betrachtet ist es so: Beim Toastbrot vedrücken lernen Jugendliche, dass Essen belohnt wird, etwas Gutes ist. Entsprechend werden Endorphine ausgeschüttet, Glückshormone. Derart konditioniert verhalten sich die späteren Amokläufer bei ihrer Tat. Die Fähigkeit zum Nahrung teilen wurde ihnen virtuell abtrainiert. Es ist kein Zufall, dass Toastbrote ursprünglich in Militärkreisen entwickelt wurden, um Soldaten weniger hungrig, sprich: effektiver, zu machen.
Eine Ausweitung des Verbots von gehaltlosen Weißbroten muss Kosten und Nutzen abwägen. Natürlich lassen sich solche Verbote relativ leicht umgehen, aber nach dieser Logik müssten auch Ladendiebstahl und der Alkoholkonsum Minderjähriger erlaubt sein. Einmal andersherum gefragt: Was spricht für solches Brot, abgesehen von dem „Kick“? Nichts, rein gar nichts. Jugendliche dürfen nicht wählen, keinen Joint rauchen, keinen Wodka trinken, aber sie dürfen mit Hilfe von Toastbrot lernen, Wehrlosen beim Verhungern zuzusehen? Das darf nicht sein, das darf nicht länger wahr sein!
Wer den vorangegangenen Text für einen Scherz hält, sollte sich den Ursprungstext „Alle Hemmungen abtrainiert“ von Malte Lehming beim Tagesspiegel durchlesen. (Ist immerhin nur ein Kommentar, keine „Nachricht“.)
Weil die gesamte Diskussion um Killerspiel wirklich ermüdend ist, meinerseits nur ein paar kurze Kommentare:
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Schärfere Waffengesetze hätten diesen Fall sicherlich nicht verhindert. Es gilt aber genau so: Die Jugendschutzgesetze in Deutschland sind bereits recht streng. (Vermutlich die strengsten überhaupt in Europa und darüber hinaus.)
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Der vielbeschworene Beweis eines Zusammenhangs zwischen „Killerspielen“ und real ausgelebter Gewalt ist ... einfach nicht vorhanden. Im Gegenteil wird zwar krampfhaft nach Zusammenhängen gesucht, „bewiesen“ werden konnte bisher allerdings rein gar nichts. (Aber dieses Scheinargument klingt toll. Damit kann man bestimmt schon viele Kritiker „abwürgen“.)
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In einer Stellungnahme hat sich heute der Bundesverband Interaktive Unterhaltsungssoftware (BUI) unter anderem so geäußert: „Die Tatsache, dass der Täter im Besitz von Computerspielen war, ist nicht weiter verwunderlich – Computerspiele sind ein fester Bestandteil der Jugendkultur.“ Das stimmt. Vermutlich gab es in der Wohnung von Tim K. ebenso Toastbrot und auch Kugelschreiber. (Aufgemerkt! Hier besteht doch ein klarer „statistischer Zusammenhang“!) Dennoch würde niemand auf die Idee kommen, dort den Auslöser für den Amoklauf zu suchen.
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Der Umgang mit (ganz realen!) Schußwaffen (man mag sie auch gerne Mordinstrumente nennen, auch wenn sie in diesem Zusammenhang nicht dafür verwendet werden) ist allgemein anerkannt und fällt unter die Kategorie „Sport“. Im Gegensatz zu Videospielen wird hier die Sinnhaftigkeit nicht in Frage gestellt, auch moralische Bedenken scheint es nicht zu geben. Es wird stattdessen von Seiten der Politik sogar vor der Diskussion dieses Themas gewarnt.
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Kommentare wie der von Herrn Lehming sind mit Sicherheit nicht geeignet, die Diskussion „ernster“ oder gar sachlicher zu gestalten.
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Und zu guter Letzt sei wiederholt: Durch das wilde Herumdrücken auf einer Computermaus oder Tastatur erlernt niemand den Umgang mit Waffen. Am Computer kann man keine Morde üben.
Für mich steht fest: Die Diskussion um sogenannte Killerspiele offenbart vor allem eines: einen ganz großen Generationenkonflikt. Bedeutete seinerzeit noch die neue Rockmusik den Untergang des Abendlandes, sind es heute die bösen, bösen Computerspiele. Ein großer Teil der Kritiker versteht anscheinend nicht einmal, worüber hier diskutiert wird.
Siehe auch: Pro Killerspiele
und: Killerspiele: eine kleine Korrektur
Quellen und weiterführende Informationen:
Tagesspiegel: Alle Hemmungen abtrainiert
Gamasutra: Research: No Significant Relationship Between Violent Games, School Shootings
Golem: Amoklauf in Winnenden – Politiker kritisieren USK
Golem: BIU: Kein Zusammenhang von Spielen und Amoklauf
Heise: Diskussion über Gewalt-Computerspiele nach Amoklauf von Winnenden
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1.
Ulf – Mehr oder minder t?ich Privatkram: Senf zum Senf zum Amoklauf in Winnenden.
Wie gut, da?ich keinen Fernseher habe.
Aber ohnehin sind es die Computerspiele. Mal wieder.
?rigens ist, wie ich gelesen habe, der T?r PSYCHISCH KRANK! Depression! Und er hat auch noch Horror...
2.
Der kleine Gewi: Golem: Bayerns Innenminister vergleicht Spiele mit Kinderpornos
"Killerspiele widersprechen dem Wertekonsens unserer auf einem friedlichen Miteinander beruhenden Gesellschaft und gehören geächtet. In ihren schädlichen Auswirkungen stehen sie auf einer Stufe mit Drogen und Kinderpornografie, deren Verbot zurecht...