Weblog-Archiv

Kino.to – Fortsetzung folgt

Filmrolle
By Ryan Baxter (originally posted to Flickr as Eight) [CC-BY-2.0], via Wikimedia Commons

Die bekannte (und äußerst beliebte) Film-Streaming-Site kino.to ist seit gestern offline und 13 der mutmaßlichen Betreiber und Hintermänner verhaftet. Berichte dazu gibt es u. a. bei  Spiegel Online, bei Heise und der taz. Unabhängig davon, dass die rechtliche Bewertung durchaus nicht ganz klar ist, stellen sich mir ein paar Fragen:

  1. Wird jetzt auch gegen die Nutzer ermittelt werden? Immerhin kann man höchst wahrscheinlich aus den Server-Logfiles IP-Adressen erfahren und ggf. die zugehörigen Anschlüsse ermitteln. Und das Bundeskriminalamt hat früher schon Erfahrungen mit dem Auslegen von Honeypots gesammelt.

  2. Wann kommt Hans-Peter Friedrich (der so gerne Sheriff wäre, wie die Zeit heute – leider nicht online – zu berichten weiß) mit der Forderung, die Vorratsdatenspeicherung (wieder) einzuführen, um effektiv(er) gegen die Nutzer solcher Angebote vorgehen zu können?

  3. Warum kann man bei Urheberrechts-Delikten das, was bei der Bekämpfung von Kinderpornographie im Internet angeblich unmöglich ist: die Betreiber ermitteln und zur Verantwortung ziehen, das Angebot schließen und die Domain pfänden? Das ganze auch noch in internationaler Kooperation?

  4. Warum war das sogar ohne Vorratsdatenspeicherung möglich?

  5. Wie lange wird es dauern, bis es ein neues, vergleichbares Angebot gibt?

Die Piratenpartei Deutschland kritisiert zu Recht, dass die Rechteinhaber es bis heute nicht geschafft haben, ein vergleichbares legales Angebot zu schaffen – eine stetig steigende Nachfrage existiert doch ganz offensichtlich.

Eine solche Diskussion hatten wir übrigens auch schon vor zehn Jahren; damals ging es um Musiktitel, die erstmals jedermann kostenlos im Internet erhalten konnte. Über Plattformen, die sich Internet-Nutzer ausgedacht haben. Es hat ewig gedauert und führte über den Umweg von untauglichen Abo-Modellen (bei deren Kündigung auch die Nutzungsrechte für alte „erworbene“ Titel verloren gingen) und unsäglichen Restriktionsmechanismen („Digital Rights Management“, DRM) oder dem Einsperren auf einzelnen Systemen hin zur fast schon entspannten Abgabe DRM-freier Titel über gut nutzbare Software-Plattformen. Diese Plattformen, das muss man festhalten, sind nicht auf Betreiben der Plattenlabels oder Verwertungsgesellschaften entstanden, sondern nur deshalb, weil pfiffige Unternehmen die Gunst der Stunde erkannt hatten, ob nun Apple, Amazon, Canonical oder 7digital.

Zudem: das Streaming über einen Cloud-Service, das sei laut Rechteverwerter doch eigentlich ohne erneute Bezahlung kriminell! (Blödsinn! möchte ich da laut ausrufen.)

Auch wenn dies die Nutzung von kino.to und Konsorten nicht besser oder legaler macht: Es sieht so aus, als würde sich die Geschichte der MP3s bei den Filmen und Serien wiederholen. Illegale Film-Angebote werden wie Pilze aus dem Boden sprießen, wenn es keine alternativen Angebote gibt.

Trackbacks

Trackback-URL: http://www.ubergeek.de/weblog/trackback/737/ea

2 Kommentare[Kommentar-Feed]

  1. 1.

    uninteressant:

    Wenn deine Frage, warum „das“ ohne Vorratsdatenspeicherung möglich ist, ernsthaft gemeint war, dann solltest du dringend an deiner Medienkompentenz arbeiten.

    Permalink für diesen KommentarGeschrieben am 16.06.11, 13:27

  2. 2.

    André Gewert (aus: Lübeck):

    Ich dachte, sowohl die Ironie in diesem Beitrag als auch meine Haltung zur „Wunderwaffe Vorratsdatenspeicherung“ seien deutlich genug?

    Permalink für diesen KommentarGeschrieben am 16.06.11, 16:17

Kommentar hinterlassen

Hilfe





Vorschau

IGEL Piratenpartei