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Kurzrezension: MacOS X Lion

Lion
By Ltshears (Own work) [CC-BY-SA-3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons

Eine der „hot news“ in den letzten Tagen ist das neu erschienene MacOS X Lion. Im Prinzip ist das Software-Update keine große Sache (es kostet ja immerhin auch nur 24 Euro; ist dafür aber auch nicht separat installierbar, sondern benötigt ein vorhandenes Snow Leopard), vor allem bietet es viele Kleinigkeiten: In Anlehnung an die in Mode gekommenen Touchscreen-Smartphones wurde das Scrollen durch Wischen ersetzt (d. h. die Bewegungsrichtung wurde umgekehrt), das unübersichtliche Anwendungsmenü kann nun durch einen ebenso unübersichtlichen iOS-ähnlichen Launcher umgangen werden und Exposé, Spaces und Co sind in einer Funktion „Mission Control“ zusammengefasst worden. (Wer schon GNOME 3 benutzt hat, wird sich hier, auch angesichts der teils selbst organisierenden Spaces, schnell heimisch fühlen!) Und - man höre und staune - Fenster können nun an allen vier Seiten angefasst und in der Größe geändert werden. („Schamlos geklaut, dieses Feature!“ müssten da einige rufen ;-))

Viel interessanter als dieser Kleinkram sind ein paar Entwicklungen, die grundlegender sind. Als erstes sei der Zwang genannt, die Software über den AppStore zu kaufen. Das bringt den Vorteil, dass man die Software nach dem Kauf quasi sofort erhält (zumindest bei einer schnellen Internetverbindung), bedeutet für Apple allerdings den ersten Schritt dazu, auch auf dem Desktop die volle Kontrolle über die installierten Programme zu haben, denn es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis ohne einen Jailbreak nur noch über den Store installiert werden kann. Außerdem wird mit den Resume-, Autosave- und Versions-Funktionen darauf hingearbeitet, dass der Anwender sich keine Gedanken mehr darüber machen muss, ob er Anwendungen schließen muss / kann und eventuell vorher noch Dokumente speichern muss.

Dazu kommen noch ein paar andere Dinge: Die Unterstützung für PowerPC-Software ist verschwunden (das wurde aber auch Zeit), die Java-Laufzeitumgebung wird nicht mehr standardmäßig installiert und wird langfristig sicherlich komplett aus dem System verschwinden – die „einzig wahre“ Programmierumgebung soll das Gespann aus ObjectiveC und Cocoa sein. Dafür wird XDevelop jetzt auch wieder kostenlos verteilt.

Vom Aqua-Look bleibt (zum Glück) Immer weniger übrig: keine absolut runden Buttons mehr, keine knallblauen Scrollbars mehr. Ohne Scrollen überhaupt keine Scrollbars mehr, stattdessen in der Standardeinstellung erst beim Scrollen (bzw. Wischen) graue schmale Balken à la iOS. Und: die neuen MacMini enthalten kein optisches Laufwerk mehr und dürften damit das langsame Ende der DVD (Blu-ray wurde ohnehin nie unterstützt) einläuten.

Fazit: Lion bedeutet keineswegs eine Revolution, ist aber (anscheinend) ein wichtiger „evolutionärer“ Schritt. Look and Feel von Desktop und Smartphone sollen sich stärker ähneln; die Kontrolle bei Software-Entwicklung und -Verteilung soll stärker als bisher bei Apple liegen; auch auf dem Desktop stehen die Zeichen somit auf Geschlossenheit. Was den tatsächlichen (Zusatz-)Nutzen für den Otto-Normal-Anwender angeht, bleiben die Neuerungen überschaubar, aber alles in allem – abgesehen von „Wischen statt Scrollen“ und dem Ausblick auf stärkere System-Geschlossenheit – durchaus sinnvoll und überlegt umgesetzt.

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1 Kommentare[Kommentar-Feed]

  1. 1.

    André Gewert (aus: Lübeck):

    Hmm, hatte ich schon einmal erwähnt, dass ich *wirklich* nicht weiß, was man mit diesem beknackten Launchpad anstellen soll? Ich hoffe, das fliegt in Zukunft wieder raus.

    Permalink für diesen KommentarGeschrieben am 04.09.11, 20:20

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