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Apple und die Schulbücher
Apple hat einen bemerkenswerten Schritt getan: Das Unternehmen möchte in den Markt für Schulbücher dringen. Die Mittel der Wahl: iPad, ein eigenes geschlossenes E-Book-Format mit Mac-only Authoringsoftware sowie die iTunes-Vertriebsplattform. Technisch eigentlich keine schlechte Sache: statt zahlreicher dicker, schwerer Bücher ein einziges iPad im Schulranzen - dazu die Interaktionsmöglichkeiten, die ein solches elektronische Gadget bietet. Gefährlich ist dieser Schritt dennoch.
Abgesehen davon, dass es problematisch sein dürfte, von jedem Kind zu verlangen, ein 700 Euro teures Gadget zu besitzen, ist die Vorstellung auch so wenig begeisternd. Es wäre die totale Abhängigkeit von einem einzigen Hersteller, der nicht nur kräftig an jedem E-Book-Umsatz beteiligt wäre (und das dann de facto durch die jeweilige Regierung verordnet), sondern auch verlegerisch die Kontrolle behielte: Inhalte kämen selbstverständlich nur nach Abnahme durch Apple in Umlauf. Die Nutzungsbedingungen der Authoringsoftware verlangen außerdem einen exklusiven Vertrieb über Apple. Die Inhalte dürften nicht zusätzlich über andere Plattformen vertrieben werden. Aufgrund des geschlossenen Dateiformates wäre das ohnehin ohne weiteres nicht möglich; mit den genannten Bedingungen könnte es nicht einmal von Apple lizenzierte Lesesoftware für Fremdgeräte geben.
In der vergangenen Woche gab es von den wichtigsten deutschen Schulbuchverlegern die einzig richtige Antwort auf Apples Pläne: Es soll eine hersteller- und geräteunabhängige, zentrale Plattform für elektronische Lehrmaterialien geschaffen werden. Das ist richtig und wichtig. Und es würde weder das iPad noch eine andere Plattform per se ausschließen. Man kann jetzt nur hoffen, dass die Verlage sich einige sehr talentierte Software-Ingenieure und -Entwickler zusammen suchen und ein tolles Ergebnis hinbekommen. Schwer genug ist das angestrebte Ziel allemal.
Erinnern wir uns in diesem Zusammenhang, als kleinen Vergleich sozusagen, noch einmal an die Kartellverfahren gegen Microsoft, die zur Jahrtausendwende fast zur Zerschlagung des Konzerns geführt haben. Weil Microsoft es gewagt hatte, dem eigenen Betriebssystem einen Web-Browser beizulegen und zudem versucht hat, Java-Entwickler an Windows zu binden. Man stelle sich einmal vor, Microsoft hätte seinerzeit mit seinen Tablet-PCs ähnliche Pläne und ähnlichen Erfolg gehabt wie Apple.
Ein Kollege von mir hat sich vor Jahren schon darüber aufregen können, dass man Apple offensichtlich eine Menge mehr durchgehen lässt als Microsoft. Ein gutes Image ist eben unbezahlbar.
Update: Apple hat zumindest die Lizenzbedingungen für iBooks überarbeitet.
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