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E-Book-Irrsinn

Vor etwa einem Jahr habe ich es endlich gewagt: Nachdem ich es mir lange Zeit nicht leisten konnte, habe ich endlich in einen E-Book-Reader investiert. Der Sony PRS-650 war zwar relativ teuer, dafür aber ein sehr edles und hochwertig verarbeitetes Gerät mit einem absolut überzeugenden eInk-Display, das zum Lesen geradezu einlädt. Mit SD-Kartenslot und Unterstützung für zahlreiche Formate, darunter natürlich auch der ePub-Standard, schien man bestens gerüstet, das Gerät mit Lesestoff zu versorgen. Und genau hier beginnt das Problem.

Woher soll der Lesestoff kommen? Welche Anbieter haben wir? Apple und Amazon dürften die größten Content-Anbieter sein, machen aber jeweils ihr eigenes (fast schon monopolistisches) Ding und schließen ihre Anwender in ihren jeweiligen Content-Burgen ein. Das heißt im Klartext: Amazon-Content wird nur auf Amazon-Hardware bzw. mit Amazon-Software (die es für Rechner, Smartphones und Tablets gibt) gelesen, bei Apple ist man sogar auf iPhone und iPad beschränkt.

Nun gut, es gibt ja noch andere Plattformen. Da wären z. B. Thalia, PagePlace oder Ciando. Ohne das im Einzelnen auf die jeweiligen Plattformen aufzudröseln, hier einmal ein paar Ärgernisse, die einem das Lesen wirklich verleiden: Viele Inhalte gibt es nur als PDF. PDF ist naturgemäß nicht flexibel auf unterschiedliche Bildschirmgrößen anpassbar und daher nicht für den Reader geeignet. Zum ungeeigneten Format gibt es viele Bücher nur mit Adobe-DRM. Selbst wenn man ein ePub bekommt, ist es fast immer mit DRM versehen. Direkt-Downloads gibt es auch nicht, sondern nur Adobe-Digital-Editions-Links, die – sofern die richtige Software vorhanden ist – den Content-Download anstoßen. Für den Anwender heißt das: bei Adobe registrieren. Die Software „Digital Editions“ herunterladen. Die gibt es aber nicht (mehr) für Linux. Wenn man die Software installiert und seinen Rechner als Lesegerät registriert hat (das geht selbstverständlich nur mit einer begrenzten Anzahl an Rechnern), kann der Download losgehen. Die so erhaltene Datei kann man aus dem Software-Verzeichnis heraussuchen, auf die SD-Karte kopieren und auf dem Reader lesen, sobald man auch hier seine Adobe-ID hinterlegt hat. Alternativ kann man auch mit Hilfe der Sony-Software seinen Reader synchronisieren. Wenn diese, man muss es einfach so sagen, zumindest auf dem Mac grottenschlechte Software ausnahmsweise einmal funktionieren würde. Am Ende des Tages hat man dann über viele Umwege seine Inhalte lesebereit auf dem Lesegerät. Und stellt irgendwann fest, dass bestimmte E-Book-Händer einem die Downloads über das persönliche Konto lediglich für ein Jahr zum Download zur Verfügung stellen. Da hat man also für den Download eines lieblos aufbereiteten ePubs mehr bezahlt als für ein gedrucktes Buch – na ja, dafür hatte man es quasi sofort in der Hand, jedenfalls irgendwann am Ende der Tortour – und hat davon ein Jahr später nichts mehr, weil man sich darauf verlassen hatte, es jederzeit erneut herunterladen zu können.

Will da noch irgend jemand wissen, warum Modelle à la Apple oder Amazon so erfolgreich sind, obwohl deren Systeme so extrem geschlossen sind und den Anwender letzten Endes auf diesen einen einzigen Anbieter festnageln? Kindle und iBooks funktionieren wenigstens endlich so, wie sich das ein normal denkender Endanwender vorstellt.

Update: Ich hatte ganz vergessen, ein positives Beispiel zu nennen: Der O'Reilly-Verlag macht es richtig. Zitat aus dem Shop: Ebooks from oreilly.com are DRM-free. You get free lifetime access, multiple file formats, free updates.

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