So finster die Nacht

So finster die Nacht

Ein Vampirroman. Und eine Liebsgeschichte! Angesichts des Erfolges der Twilight-Geschichte und der Nachahmer, die im Kielwasser dieses Erfolges ebenfalls versucht haben, einen ordentlichen Profit zu machen, könnte man auch So finster die Nacht für reine Trittbrettfahrerei halten.

Der Autor John Ajvide Lindqvist hat allerdings eine etwas andere Geschichte, mit vielen ungewöhnlichen und durchaus auch verstörenden Aspekten geschaffen. Das fängt schon damit an, dass der Vampir-Protagonist ein kindlicher Vampir ist. Oder dass die Handlung in einem Stockholmer Vorort spielt. Dass Pädophilie eine wesentliche Rolle spielt. Dass sich die Liebesgeschichte zwischen zwei Kindern abspielt. Dass es um gleichgeschlechtliche Liebe geht. Und dass die Geschichte nebenbei immer noch ziemlich blutig ist.

Jedenfalls handelt es sich bei dem bereits 2004 (und 2007 in deutscher Übersetzung) veröffentlichten Roman eben nicht um eine abgedroschene, bereits hunderte Male erzählte Geschichte. Mein Urteil: unbedingte Leseempfehlung! So einen Lesestoff findet man sicher nicht so oft.

Neben einer schwedischen Verfilmung von So finster der Nacht (die ich nicht gesehen habe) existiert auch eine US-amerikanische Verfilmung unter dem Titel Let me in aus dem Jahr 2010, die aktuell bei Amazon Prime Instant Viedeo (worüber ich überhaupt erst auf diesen Titel gestoßen bin) zu haben ist, und die zwar einige der eher verstörenden Aspekte der Geschichte auslässt, aber dennoch sehr sehenswert ist. Ich würde sogar raten, erst den Film zu sehen und anschließend das Buch zu lesen.

[Update: Twilight erschien übrigens erst 2005. So kann man sich täuschen.]

Sofi 2015 … und 1999

Lieber diese Karte als keinen Anruf

Am Freitag war es mal wieder soweit: Es gab eine totale Sonnenfinsternis. Na gut, in Deutschland war davon nicht so furchtbar viel zu sehen. Wahrscheinlich war das auch der Grund, weshalb mir das Ganze (im Gegensatz zur Kollegin T.) relativ am Arsch vorbeiging. Immerhin: Es gab ein merkwürdig konfuses Licht, das war schon recht cool. Ansonsten konnten wir, auch wegen fehlender Schutzbrille, nicht wirklich etwas sehen.

1999 war das etwas anders. Da konnte man wenigstens in Teilen Deutschlands die totale Sonnenfinsternis beobachten. Ich glaube zwar, mich hat das (im Gegensatz zu meiner Mama) damals auch relativ kalt gelassen – im Norden gab es ja auch nicht so furchtbar viel zu sehen, außerdem waren die Sofi-Schutzbrillen schnell ausverkauft und vor der Benutzung von CDs wurde gewarnt – auf der anderen Seite hätte ich sicherlich nichts dagegen gehabt, das Ereignis mit der Liebe meines Lebens [die nicht meine Freundin gewesen ist] zu beobachten. A. jedenfalls hatte andere Pläne und hat sich lieber mit ihrer besten Freundin im Schlepptau auf den Weg nach München gemacht, um sich sozusagen die Vollversion zu sichern.

Ich weiß nicht, ob sie mich gerne dabei gehabt hätte, aber immerhin muss sie an mich gedacht haben, denn sie hat mir – wie so oft, damals – eine ihrer zahlreichen Postkarten geschickt. Ich muss mich auch wirklich darüber gefreut haben, denn ich habe diese Karte neben all den anderen, die da noch gekommen sind, bis heute aufbewahrt, was auch der Grund dafür ist, dass ich sie für diesen Text abfotografieren konnte.

Ich persönlich finde es ja wirklich schade, dass das Versenden von Postkarten so außer Mode gekommen ist. Ich denke da etwa an Kollegen, die eine gekaufte und unbeschriftete Ansichtskarte für ihre Abteilung aus dem Urlaub mitbringen. Statt einer Postkarte schickt man ja heute viel lieber eine schnelle WhatsApp-Nachricht nebst Selfie. Nun ja, da muss ich auch schon wieder an Leute denken, die sich selbst wieder aus dem Selfie herausnehmen, um zumindest bestimmten Leuten dann nur die beschnittene Version zu senden … Aber das ist ein anderes Thema.

Jedenfalls bin ich der Meinung, Postkarten können eine schöne Erinnerung sein. Haltbarere Erinnerungen als WhatsApp-Nachrichten. Die letzte Karte, die ich von A. erhalten habe, kam übrigens aus Roswell (oder aus der Nähe von Roswell). Und ich hätte mir gewünscht, danach wären noch viel, viel mehr Karten bei mir angekommen, egal von wo.

Wildest Moments

Zur Abwechslung mal wieder etwas Musik, und zwar die grandiose Jessie Ware mit Wildest Moments. Ach ja, ich bin auch schon wieder zwei Jahre zu spät dran ;-)

Maybe in our wildest moments
We could be the greatest, we could be the greatest
Maybe in our wildest moments
We could be the worst of all

Apples Kuriositäten

Keine Frage: Apple baut eine ganze Reihe toller, praktischer und hübscher Geräte. Ich darf mich ja auch nicht zu sehr beklagen, schließlich besitze ich auch einige iDevices. Und dennoch: auch Apple langt immer wieder ordentlich daneben. Das ist lustig.

iPod mit Loop und EarPods

Die älteren von uns können sich wahrscheinlich noch an lampenförmige Macs oder runde MacBooks aus buntem Plastik erinnern … Gut, dass man diese Geräte heute nicht mehr zu Gesicht bekommt. Auch das erste AppleTV war … nun ja … ein recht merkwürdiges Gerät. Waren wir doch schon längst im Streaming-Zeitalter angekommen, hatte das Gerät damals doch tatsächlich noch eine Festplatte eingebaut, und die abzuspielenden Inhalte mussten ernsthaft erst mit dem AppleTV synchronisiert werden. Hmm. Wer sollte das eigentlich nutzen? So viel besser sieht es mit dem aktuellen AppleTV auch nicht aus. Ich bin froh, das Gerät nach ca. einem Jahr der Staubfängerei durch ein FireTV ausgetauscht zu haben. Ich habe ja eigentlich immer erwartet, Apple würde eines Tages die Installation von Apps durch den Anwender zulassen. Pustekuchen. Das FireTV macht vor, wie man es richtig macht.

Auch in Sachen Mäuse hat Apple bisher nicht besonders viel Geschick bewiesen. Oder kann irgendjemand mehr als zwei Stunden am Stück mit der, ähem, Magic Mouse arbeiten?

Aber gut, das alles mag ja noch Geschmackssache oder eine Frage der Gewohnheiten sein. Zwei Dinge gibt es, die mich tatsächlich vollkommen ratlos machen, wenn ich sie sehe: Der iPod touch loop und die komischen EarPods. Ich behaupte: beides ist vollkommen bescheuerter Schwachsinn, den kein Mensch benutzt. Ich möchte mal denjeniegen kennenlernen, der sich gedacht hat: »Ach komm, meinen iPod touch, den möchte ich eigentlich ganz gerne mit einem dünnen Lederbändchen an meinem Handgelenk festbinden. Hemd-, Hosen- und Jackentaschen sind vollkommen überbewertet!«

Wer sich nicht ausgerechnet für den billigsten iPod touch (EUR 229,-) entscheidet, bekommt dieses Bändchen wenigstens als Dreingabe. Beigelegt wird auch das nächste Kuriosum, nämlich die, ähem, revolutionären EarPods.

Anders als bei herkömmlichen runden Ohrhörern beruht das Design der Apple EarPods auf der Geometrie des Ohres. Deshalb passen sie mehr Menschen als jeder andere Ohrhörer.

Fuck yeah! Ich weiß nicht, wer sich diese großen und harten Dinger gerne in die Ohren steckt, aber sei’s drum. Anders als beim iPhone bekommt man zum iPod touch auch nur die einfachere Variante der EarPods ohne Fernbedienung dazu. Ganz so, als sei diese Funktion ausgerechnet bei einem Gerät, das primär der Musikwiedergabe dient, irgendwie nicht so wichtig. Oder soll der Kunde doch eher zum zusätzlichen Kauf der teureren Variante (29,- EUR) motiviert werden?

Ich denke ja, der Erfolg lässt sich daran messen, wie oft diese Gadgets genutzt werden. Und ich persönlich habe »in freier Wildbahn« bisher weder den iPod touch loop noch die EarPods beobachten können. Vielleicht treibe ich mich aber auch nur in den falschen Gegenden herum? Oder habe die falschen Freunde?

Die nächste Apple-Kuriosität könnte möglicherweise die Apple Watch werden. Nach der ersten Ankündigung herrschte ja bei vielen noch so etwas wie Euphorie, aber nach der Bekanntgabe der Preise und einiger technischer Einzelheiten waren die Reaktionen doch eher zurückhaltend. Was wirft Apple da eigentlich auf den Markt? Ein eher nutzloses Gadget, das selbst für Apple-Maßstäbe schweineteuer ist. Das ist keine Sportuhr und kein Fitness-Gerät. Die Apple Watch ist ein Luxusprodukt, ein reines Statussymbol. Und man möchte am liebsten Tim Cook zurufen, dass man mit Luxusprodukten keine Volkskrankheiten bekämpft, selbst wenn man diese etwas dümmlich als »den neuen Krebs« bezeichnet. Dieser Ruf würde vermutlich ohnehin nur mit einem Schulterzucken quittiert werden.

Offene WLANs in Deutschland werden boomen!

Man konnte in der vergangenen Woche durchaus ein wenig staunen, wenn man die Nachrichtenmeldungen in Fernsehen und Radio gehört hat. Da wurde erzählt, die Bundesregierung plane ein Gesetz, mit dem (endlich) das Angebot öffentlicher, also frei zugänglicher WLAN-Hotspots gefördert und auf absehbare Zeit deutlich wachsen solle. Huh?

Bild: Hans-Jörg Aleff [1] CC BY-NC-SA 2.0 [2] Bearbeitung: André Gewert

Tatsächlich: das Bundeswirtschaftsministerium hat einen Gesetzesentwurf vorbereitet, der »die Voraussetzungen dafür schaffen [soll], dass in Zukunft mehr öffentliche WLAN-Hotspots eingerichtet werden.« Und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel behauptet optimistisch oder dreist (das darf man sich meinetwegen aussuchen): »Das wird dem Ausbau öffentlich zugänglicher Hotspots einen Schub geben und die Nutzung vorhandener Infrastruktur erleichtern.«

Nun.

Ich fürchte, das Ganze fällt leider in die Kategorie: »Wir behaupten etwas bestimmtes zu tun, machen aber doch eher das Gegenteil.« Leider beinhalten die Neuregelungen nur weitere bzw. strengere Hürden. Allein wegen der strengen Auflagen (faktische Registrierungspflicht, zumutbare Maßnahmen« gegen Rechtsverstöße, Einholung einer Verpflichtungserklärung etc.) wird das Gesetz lediglich das jetzt schon bestehende Monopol einzelner Hotspot-Anbieter (Hat hier jemand Deutsche Telekom gesagt?) festigen. Und falls jemand bei Hören bzw. Sehen der Nachrichten gleich von kostenlosen Hotspots geträumt hat … ha ha, süß!

Schade übrigens, dass ich gerade vor einer guten Woche beim Verlängern meines Mobilfunktarifs in einen neuen Tarif wechseln musste, der zwar immer noch so schweineteuer ist wie der alte, aus dem aber sowohl die gebührenfreie Zusatz-SIM-Karte als auch die Hotspot-Flatrate herausgestrichen wurden. Wenn ich das nächste Mal für ein paar Stunden im ICE sitze, sieht es also eher düster aus mit Internet. Denn bezahlen werde ich das sicherlich nicht.

Ach, ich weiß nicht. Sagt man nicht immer, Deutschland sei ein Land der Ingenieure? Warum tut man sich hierzulande dann (politisch) noch immer so schwer mit »diesem Internet«?

Weitere Infos zum Thema:

Artikel auf stupidui.tumblr.com