Fat Acceptance für Anfänger

Fette Menschen nicht wegen ihres Fettseins zu beleidigen, zu beschimpfen, sich nicht über sie lustig zu machen (»Fat Shaming«: das ist eine Seite der »Fat Acceptance«-Bewegung. Den Menschen aber zu erzählen, Übergewicht sei ohnehin nicht ungesund und ließe sich im Zweifel auch nicht ändern (falsch verstandene »Fat Acceptance«): das ist die zweite, die schlicht unverantwortliche Seite.

Vor einem Jahr habe ich zum gleichen Thema, bezugnehmend auf einen Zeitungsartikel von Magda Albrecht, schon einmal kurz das Thema Fat Acceptance angesprochen. Nun legt ihre Mitstreiterin in der Sache und Autoren-Kollegin bei der Mädchenmannschaft Hengameh Yaghoobifarah im Vice Magazine nach. Unter dem Titel »Dick für den Sommer« beklagt die Autorin, wie schwer erträglich der Sommer für dicke / fette Menschen ist (als sei große Hitze für andere Menschen nicht auch äußerst belastend) – und gibt dem Rest der Welt die Schuld dafür.

Nun, wir brauchen sicherlich nicht darüber zu reden, dass Fat Shaming, um es vorsichtig zu formulieren: daneben ist; Fat Shaming ist aber definitiv nicht der Grund dafür, dass die verschwitzten Oberschenkel der Autorin vom Gegeneinanderreiben wund sind oder deren Knie schmerzen. Das sind vielmehr ernstzunehmende Indizien für etwas, das Yaghoobifarah im weiteren Text vehement abstreitet: dass Fettsein ungesund ist. Übergewicht sei nur irgendein (nichtssagendes, soll das wohl bedeuten) »Konzept«, Begriffe wie adipös und übergewichtig seien nur (auch hier der Vorwurf der Wertlosigkeit) »pseudo-wissenschaftlich«.

Es folgen im Text die Aussagen:

Die Verstrickungen zwischen Medizinwesen und Diätindustrie erschweren dicken Personen den Zugang zu Health Care.

Hängen Körperfettanteile und Gesundheit wirklich zwingend miteinander zusammen? Für einige Leute scheinbar schon.

Sorry, „Becky“. Sorry, ihr „Basic Bitches“, euer wöchentlicher Ketaminkonsum und eure ungeschützte Haut in der Sonne sind auch nicht gesund. Für solche Leute habe ich keine Zeit. Erstens, weil es überhaupt nicht bewiesen ist, dass Dicksein eine „ungesunde Lifestyle-Wahl“ ist, und zweitens, weil Gesundheit auch nicht alles im Leben ist.

Die Annahme, dicke Körper seien automatisch krank oder ungesund, ist ein gefährlicher Mythos.

die Fettschicht unter der Haut ist ein genetisch definiertes Baumerkmal

Oft sind die Molligen und Dicken die Gesünderen

Man stelle sich einmal vor, heutzutage würde noch jemand in dieser Art über das Rauchen reden!

Oft leben Raucher viel länger als Nichtraucher!
Hängen Lungenkrebs und Tabakkonsum wirklich wirklich zwingend miteinander zusammen? Für einige Leute scheinbar schon.
Viele Nichtraucher sterben aber früher als einige Raucher!

Solche Diskussionen hat es vor 40 oder 50 Jahren bestimmt gegeben. Heute aber würde niemand mehr behaupten, es gebe keinen Zusammenhang zwischen Lungenkrebs und dem Rauchen – nur, weil nicht jeder Raucher an Lungenkrebs erkrankt oder weil es ja auch andere ungesunde Angewohnheiten gibt.

Ich möchte an dieser Stelle mein Fazit von damals wiederholen und etwas ergänzen: Menschen zu erzählen, fett zu sein sei »normal« oder »nicht ungesund«, ist kein empowerment, sondern das Gegenteil. Es ist verantwortungslos und Selbstbetrug.

Außerdem sei auf eine etwas bissigere und sehr lesenswerte Replik von Tante Jay auf den Text von Yaghoobifarah verwiesen.

Heroes

Zum Abschluss des Tages noch einmal etwas Musik. Eigentlich halte ich die eingedeutschte Version von »Heroes« nicht für besonders gut, aber Bowie und »Heroes« spielen halt eine wichtige Rolle in »Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo«, das man sowohl in Buch- als auch in Film-Version einfach nur empfehlen kann, weil es Einblicke schafft in Welten, die man selbst hoffentlich niemals erlebt.

Mein neuer Freund Bob

Bobs’s Burgers

Die Simpsons können mich ja schon seit einer ganzen Weile nicht mehr so richtig begeistern, auch wenn ich einzelne Szenen immer wieder genial finde; vielleicht liegt das an meiner Abneigung gegen W., die Die Simpsons immer so toll fand, vielleicht liegt es einfach daran, dass einen die Serie seit mittlerweile über 20 Jahren begleitet (je nachdem, wann man damit angefangen hat).

Jedenfalls habe ich mit Bob’s Burgers eine neue Lieblings-Cartoon-Serie für mich entdeckt. Anfangs hat mich der Zeichen-Stil etwas abgeschreckt, aber ich muss sagen: der Humor trifft meinen Geschmack schon ziemlich gut. (Und weil das in der Serie einmal vorkam: die Wikipedia-Illustration zu camel toe finde ich doch recht gelungen.)

Vor einiger Zeit bin ich bei einer Art blind date die (wie ich finde) unglaublich dämliche Frage nach meiner »geheimen Superkraft« gefragt worden. Hmm, was soll man dazu sagen? Ich kann Coffein in Code umwandeln? Höhöh. Wie auch immer, nach der fantastischen Folge von Bob’s Burgers mit den Equestranauts kann ich die Frage nun definitiv beantworten. Wer die Antwort wissen will, muss sich die Folge halt anschauen ;-)

Seit Ende des vergangenen Jahres gibt es sogar passende Flipper-Tische in der wahrscheinlich besten Pinball-Umsetzung, die aktuell existiert; leider bisher nicht für die Wii U, aber immerhin für die anderen Plattformen.

Wer Bob’s Burgers in Deutschland gucken will, kann auf die tägliche Ausstrahlung bei Comedy Central warten, oder dort bereits ausgestrahlte Folgen über die Website abrufen.

Und bevor jemand fragt: nein, ich bekomme kein Geld für solche Werbung ;-)

Golem: Ubuntu versaut noch jedes Tablet

Ubuntu

Die beste Headline der letzten Woche hat wohl Golem präsentiert. Beim Test des Tablets »Aquaris M10 Ubuntu Edition« gelangen die Redakteure zu einer wenig schmeichelhaften Einschätzung:

Nach zweiwöchigem Test müssen wir allerdings feststellen, dass die Ubuntu-Version von BQs Tablet eines der unausgegorensten, ruckeligsten und von der Software her am schlampigsten programmierten Geräte auf dem Markt ist. Dabei scheint der Schuldige weniger der Hersteller der Hardware BQ zu sein als Canonical - das es immer noch nicht geschafft hat, aus Ubuntu für mobile Geräte ein sinnvoll einsetzbares Betriebssystem zu machen.

Harte Worte, aber die Einschätzung passt ganz gut zu dem, was Canonical generell in den letzten Jahren abgeliefert hat. Von Ubuntu One über den Unity-Desktop und den Ubuntu-AppStore bis hin zum eigens entwickelten Display-Server und der auf Android basierenden Mobil-Variante: überall unfertige, unausgegorene, lahme und schlecht funktionierende Software. Vor ein paar Jahren war Ubuntu eine Distribution, die besonders einsteigerfreundlich gewesen ist — heute bekommt der Anwender eine Großbaustelle, an der es an allen Ecken und Kanten Probleme gibt. Da wünscht man sich für Canonical doch vor allem ein etwas besseres Projekt-Management mit klarer strategischer Ausrichtung.

Nachtrag: Ich habe vergessen, die Frage nach der definitiv besten Linux-Desktop-Distribution für Normalos zu beantworten. Das ist unverändert Linux Mint, das nicht nur seit langem bei Distrowatch ganz oben steht, sondern auch von Ars Technica hoch gelobt wird.

Frühling

Vor Pfingsten hatten wir hier beinahe sommerliches Wetter. Gelegenheit, ein paar Fotos zu machen.
(Verbunden mit dem unauffälligen Hinweis auf meinen Instagram-Account ;-))